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Heldenmarkt im Postbahnhof PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 17. März 2010 um 00:00 Uhr

Der Heldenmarkt - Verbrauchermesse für nachhaltigen Konsum

Schlendern Sie am letzten Märzwochenende, eine Woche vor Ostern, gemütlich durch die schöne Gleishalle des Berliner Postbahnhofes und entdecken Sie auf 1.800 qm eine bunte Welt von Kosmetik, Kleidung, Taschen, Lebensmitteln und Accessoires über Technik, Spielzeug, Einrichtung, Kinderkleidung, Papeterie bis hin zu Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Bauen und Mobilität. Mehr als 65 Aussteller werden Ihnen zeigen, dass Konsumfreude, Genuss, Ästhetik und Design mit ökologischer Verantwortung und globalethischen Prinzipien eine wunderbare Symbiose eingehen können. Kulinarische Leckereien, angenehme Musik ausgewählter Bands und DJs, Bastel-und Spielangebote für Kinder und ein lehrreiches Rahmenprogramm werden Ihren Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Die Berliner Weltläden sind mit einem gemeinsamen Stand dabei und freuen sich auf Ihren Besuch!

Sie werden staunen! Noch nie fühlte sich Einkaufen so gut an.

Sa., 27.März 2010, 11.00 – 20.00 Uhr und
So., 28.März 2010. 11.00 – 18.00 Uhr im Postbahnhof am Ostbahnhof

Die Veranstaltung ist öffentlich und für jedermann zugänglich. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen 5 Euro. Im Preis inbegriffen ist ein Los für die Tombola, sowie der Eintritt zur Heldenparty am Samstagabend ab 23.00 in Kooperation mit dem Fritz Club.

Warum nachhaltig konsumieren?
„Nachhaltiger Konsum ist umweltbewusst, sozial verträglich, wirtschaftlich und partizipativ.“1 Und wird zunehmend Teil einer neuen Lebensweise all jener Menschen, die verstanden haben, dass sich angesichts der globalen Probleme auch in unserem Alltag etwas ändern muss. Das Ziel ist eine nachhaltige Lebensweise, die im Einklang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten steht. Nach dem Ideal: Entnommen wird nur, was benötigt wird und aus eigener Kraft nachwächst. Oder anders ausgedrückt: Ein Leben von den “Zinsen” der Natur. Das klingt eigentlich ganz normal, denkt man. Leider aber ist diese Lebensweise für uns und unsere Gesellschaft alles andere als normal. Denn der Wohlstand unserer Zeit “basiert ökonomisch darauf, dass es den Treibstoff zur unablässigen Produktion von Mehrwert und Wachstum von außen bezieht, wie das Öl, das für die Herstellung und den Betrieb der Autos oder wie das Gas, das für die gemütlich warmen Badezimmer nötig ist.”2 Dieses lineare Prinzip beruht darauf, dass es permanent Materie von einem „Außen“ bezieht. Aber in unserem globalen System gibt es kein Außen, aus dem man ungebremst entnehmen kann. Die Lebensweise unserer zivilisierten Gesellschaft missachtet dieses Prinzip seit langem und betreibt damit Raubbau an der Zukunft unserer Kinder. (mehr anregende Gedanken finden Sie hier)
Aber nicht nur gegenüber zukünftigen Generationen wohnt unserem Wirtschaftssystem eine große Ungerechtigkeit inne, sondern auch gegenüber Menschen. Denn während wir uns übermäßigem Konsum hingeben, können Menschen in deutlich ärmeren Ländern nicht einmal ihre grundlegenden Bedürfnisse befriedigen. Oft steht dabei sogar teilweise die Armut der anderen mit unserem Wohlstand im Verhältnis.

Was kann nun jeder Einzelne tun, um dieses System zu verändern?
Grundlegend ist die Erkenntnis, dass sich unsere Lebensweise wieder der Natur anpassen muss. Wir müssen weg vom linearen, hin zum zirkulären Denken und Handeln. Heute ist es normal aus einem Rohstoff etwas zu produzieren, das fertige Produkt dann zu konsumieren und anschließend zu entsorgen. Aber was heißt entsorgen? Ent-Sorgen, also sorgenfrei, ist nicht einmal das als fortschrittlich geltende Prinzip des Recycling. Denn hierfür wird zusätzliche Energie benötigt und das entstehende Produkt ist nie unendlich häufig wieder recycelbar.
„Nahezu alles, was Menschen in ihrem Alltagsablauf an Gütern oder Dienstleistungen kaufen, hat Auswirkungen auf die Umwelt. Diese Auswirkungen beginnen bei der Herstellung von Produkten, fallen während des Gebrauchs an und wirken mitunter noch lange Zeit, nachdem ein Produkt seinen Nutzen verloren hat.„1

Es wird deutlich, es liegen große Herausforderungen und Veränderungen vor uns. Das Debakel von Kopenhagen hat deutlich gemacht, von politischer Seite ist nicht mit Rettung zu rechnen. Dabei wäre das doch so bequem für uns. Die Politiker würden gemeinsam mit den Wissenschaftlern die Rahmenbedingungen schaffen, und wir könnten einfach so weiter leben. Es gäbe nur nachhaltige Dinge zu kaufen, sämtliche Energie käme von erneuerbaren Quellen und alle Menschen auf der Welt hätten nicht nur genug zu essen, sondern lebten in kollektivem Wohlstand. Das schöne an dieser Utopie ist, dass sie uns aus der Verantwortung entlässt. Aber mit dem verantwortungslosen Leben ist es vorbei, wenn wir ernsthaft an einer Wende arbeiten möchten.

Aber genug der Theorie, lasst uns beginnen. Viele Änderungen unserer Lebensweise bedürfen weniger Mühe als erwartet: Wechseln Sie als erstes einmal Ihren Stromanbieter, sofern Sie noch keinen “echten” Ökostrom beziehen. Kaufen Sie nach Möglichkeit regionale und saisonale Lebensmittel. Oder brauchen Sie wirklich im Januar Erdbeeren, die 2.000 Kilometer angereist kommen? Wenn Sie die Wahl haben, kaufen Sie zertifizierte Ökoprodukte. Denn der Verzicht auf synthetische Dünger und Pestizide tut nicht nur Ihrem Körper gut, er spart auch viel Energie. Mit Ihrer Entscheidung für Bio-Produkte bewahren Sie nebenbei auch das Ökosystem vor weiteren Belastungen.

Natürlich konsumieren Sie mehr als nur Lebensmittel. Sie brauchen Kleidung, Möbel und vieles mehr. Auf dem Heldenmarkt finden Sie Aussteller und Händler, die diese Produkte herstellen und/oder verkaufen. Lassen Sie sich überraschen, von der Auswahl und der Qualität der Produkte. Bitte bedenken Sie aber, dass der Markt für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zwar rasant wächst, aber noch immer recht klein ist. Sie werden vermutlich nicht alles finden, was Sie zum Leben brauchen. Statt zu nörgeln, sollten Sie lieber das Engagement der teilweise recht jungen Firmen würdigen. Dies sind die Pioniere einer neuen Epoche. Diesen mutigen Menschen verdanken wir es, dass wir heutzutage in vielen Bereichen die Wahl haben. Sie können also Ihre nächste Jeans oder die neuen Turnschuhe auch von nachhaltigen Produzenten kaufen.

Sind Sie bereit zum Wechsel, oder suchen Sie noch nach Ausreden? Was sollen Sie als Einzelner schon ändern. Aber sie sind gar nicht allein, wir sind schon ganze viele! Damit wir noch mehr werden bringen Sie am besten ihre Familie, den Freundeskreis und alle Nachbarn mit zum Heldenmarkt.

Die Zeit der Worte muss ein Ende haben, handeln Sie. Am besten gleich heute …

Nachhaltiger Konsum in der Praxis – Eine kleine Einkaufshilfe
„Nachhaltig leben heißt, gut, gesund, partnerschaftlich und tolerant zu leben, den Dingen ihren Wert gewähren, bewusst genießen, auch genussvoll konsumieren. Das heißt auch, auf Qualität zu achten, nicht jeder Mode nachzulaufen, aber auch nicht jede zu verachten – das gehört zur Lebensqualität. Nachhaltig konsumieren heißt, sich zu erinnern, dass das Bessere der Feind des Guten sein sollte, nicht das Billigere; dass ferner Gemeinschaftlichkeit und Individualismus zusammengehören wie Partnerschaftlichkeit und Selbstständigkeit.“1

Idealerweise sollten alle von uns konsumierten Produkte 100prozentig belastungsfrei für das biologische Gleichgewicht der Erde produziert, transportiert, konsumiert und entsorgt werden. Wie aber kann man sich diesem Ideal annähern?

Das Produkt selbst – Material, Herstellung,
Am Beginn der Nachhaltigkeitsbilanz eines Produktes steht die Auswahl der Materialien und deren Herstellung. Grundsätzlich haben Produkte, egal ob es sich um Lebensmittel, Bekleidung oder Kosmetik handelt, die mit einem Bio-Siegel gekennzeichnet sind eine deutlich bessere Bilanz als konventionelle Produkte und sind daher immer zu bevorzugen. Aber Vorsicht: Nur wo Bio, biologisch oder ökologisch drauf steht ist auch wirklich Bio drin. Lassen Sie sich nicht in die Irre führen von cleveren Werbestrategen mit Begriffen wie natürlich, naturnah, kontrollierter Anbau, … Genauere Informationen bietet beispielsweise die Einkaufshilfe vom GP-Einkaufsnetz.

Gleichzeitig gilt es zu fragen, unter welchen Arbeits- und Produktionsbedingungen das Ausgangsmaterial und das Endprodukt entstanden ist. Für uns alltägliche Sicherheitsstandards und Arbeitnehmerrechte sind in vielen Teilen der Welt nicht die Regel. Bekannte Siegel, wie das Transfair Siegel sichern die Einhaltung der Fair Trade Standards.

Der Transport
Bleibt noch die Frage des Transports. Die Rosen aus Kenia kommen mit dem Flugzeug, die Tomaten aus Südspanien mit dem LKW und das Plastikspielzeug und unsere Kleidung kommen mit riesigen Containerschiffen aus China. Besonders absurd ist beispielsweise die amerikanische Praxis, die in den USA angebaute und stark subventionierte Baumwolle zur Verarbeitung nach China zu verschiffen, um dann die fertig genähten T-Shirts wieder zurück zu fahren. Der Transport über so lange Strecken belastet die Nachhaltigkeitsbilanz eines Produktes erheblich. Da aber selbst die Produktion unter Fair Trade Standards außerhalb Europas viel preiswerter ist, wird sich an dieser Praxis wenig ändern. Dennoch sollten Sie, wenn Sie die Wahl haben immer regionale Produkte bevorzugen. Leider lassen sich einige der Bedürfnisse unserer modernen Konsumgesellschaft nicht regional befriedigen. So verlangen wir nach Kleidung aus Baumwolle, die ja in Europa gar nicht wächst. Weshalb die Bekleidung unserer Ahnen aus Hanf und Leinen genäht war. Glücklicherweise bemühen sich inzwischen einige Hersteller darum altes Wissen um deren Anbau und Verarbeitung zurückzugewinnen.

Der Gebrauch
Hervorzuheben ist hier besonders das Qualitätsmerkmal Langlebigkeit. Wie heißt es so schön: „Wir sind zu arm zum billig kaufen.“ Diese altmodische Lebensweisheit ist angesichts von ständig verfügbarer Billigware in Vergessenheit geraten. Denn der Reiz des ständig Neuen und der Fluch der Mode ist bereits zum festen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Abgesehen davon, basiert ja unser gesellschaftlicher Wohlstand gerade auf unsere Ex und Hopp Lebensweise, denn ohne fortwährend wachsenden Konsum neuer Waren gäbe es kein ständiges Wirtschaftswachstum. Hier sind neue Wege in der Wirtschaftspolitik gefragt. Aber auch als Verbraucher kann und muss man sich bei jedem Kauf fragen: „Brauche ich das wirklich?“

Die Entsorgung
Was aber passiert mit all den Dingen, die wir nicht mehr haben möchten, entweder weil sie aus der Mode gekommen sind oder weil sie im Laufe ihres Gebrauchs kaputt gehen. Allzu leicht wandern die teilweise noch gebrauchsfähigen Dinge schnell in die Tonne. Aus den Augen, aus dem Sinn. Reparieren, verschenken oder verkaufen macht ja viel zu viel Arbeit und der Erlös aus dem Verkauf rechtfertigt oft nicht den Aufwand.
Aber ganz so einfach können wir es uns nicht machen. Denn auch für seine Abfälle trägt man die Verantwortung. Deshalb sollte die erste Regel die Vermeidung sein. Denken Sie am besten schon beim Einkauf an die Frage der Entsorgung. Ist das gekaufte Produkt recyclingfähig? Oder ist es sogar schon ein Produkt des Upcyclings, also quasi aus Müll hergestellt?

Quellen:
1 Lorek, Sylvia und Spangenberg, Joachim H., Sozio-ökonomische Aspekte nachhaltigkeitsorientierten Konsumwandels. Aus Politik und Zeitgeschichte (B24/2001).
2
Wälzer, Harald, Perspektiven der Überflussgesellschaft, aus der Reihe Wegmarken 2010: Wohlstand ohne Wachstum (Teil 1). (Deutschlandfunk 01.01.2010)

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. März 2010 um 02:06 Uhr
 

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